Menschliches, Allzumenschliches II

Wer wissen möchte, wie der Mensch ist, brauch keine Dokumentarfilme ansehen oder Kulturveranstaltungen besuchen. Wie Dieter Nuhr schon vor Jahren beschrieben hat*, reichen oft banale Dinge, um einen sehr guten Überblick über den aktuellen Stand der Menschheit zu bekommen. Ich habe 8 Tage auf einem Parkplatz der Cranger Kirmes gearbeitet.

„4 Euro ist schon viel, mach mal 3 daraus.“

sagte der Herr, der danach in die hintere Hosentasche griff, ein Bündel Geldscheine hervorholte und dann in den ganzen 50ern keinen 5 Euro Schein fand.

„Da suche ich lieber noch ein wenig“

sagte der Sportwagenfahrer Abends um 20 Uhr an einem vollen Tag, der später hoffentlich abgeschleppt wurde oder den teuren 5 Euro Parkplatz nahm.

„Haben sie das Schild hier aufgestellt?“

wollte jemand von einer Kollegin wissen, dem ein großes gesperrt Schild, welches gleichzeitig auf eine Einbahnstraße aufmerksam machte, wohl nicht passte.

Jene Einbahnstraße, von der Stadt für die Kirmes eingerichtet, die sowieso maximal 20% Erfolgsquote hatte.

„Sie müssen schon aufpassen, dass hier nicht ständig in die Einbahnstraße gefahren wird“

erbat sich eine Frau älteren Alters, die Straßenwartsrechte an einen einfachen Parkplatzarbeiter abzugeben.

„Kann ich nicht da parken?“ – „Nein, da ist Halteverbot.“ – „Warum?“ – „Weil dort ein Schild ‚Halteverbot‘ steht“

ist nur einer der vielen offenen, geistreichen Dialoge am Rande des Geschehens.

„Für 4 Euro ist mein Auto dann aber auch gewaschen wenn ich zurück komme.“

Diese Waschanlage möchte ich auch haben, diesen Humor allerdings nicht.

Überhaupt fand ich es auffällig, wie viele Menschen meinten mir noch einen „lustigen“ Witz oder Spruch mit auf ihren eigenen Weg geben zu müssen. Aber vielleicht hatte sich auch herumgesprochen, dass ich immer entsprechend geantwortet habe.

„Wir bringen dir dann auch Zuckerwatte mit.“ – „Toll, bitte auch ein wenig vom Feuerwerk!“ ..

Dennoch war es natürlich eine schöne und lehrreiche Zeit, verbunden mit Geld, Entspannung und vielen netten zwei-Minuten-Bekanntschaften. Und der Möglichkeit, nicht nur aus den Kommentaren größerer Zeitungen etwas über die Menschheit zu erfahren – aber das ist ein anderes Thema.

*Dieter Nuhr sagt, es reicht auf der Autobahn an einer langen Baustelle, 80 erlaubt, links neben dem LKW mit 70 zu fahren. Kurz vor dem Ende muss man dann nur noch in den Rückspiegel schauen – das ist der Mensch.

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